Wenn es darum geht, unser Nervensystem zu beruhigen, denken wir häufig sofort an Yoga und andere Achtsamkeitspraktiken. Eine Studie zeigt, dass etwas ganz anderes uns mindestens genauso gut helfen kann abzuschalten.
Sport ist wichtig für unsere Gesundheit – das ist inzwischen sicher allen klar. Dabei denken wir aber meist vor allem an unsere körperliche Gesundheit, an starke Knochen, ein gutes Immunsystem, an eine ausgeprägte Muskulatur, die uns durchs Leben trägt. Wir brauchen Bewegung allerdings auch, um uns geistig und emotional gut zu fühlen.
Studie zu Bewegung und psychischer Gesundheit
Wenn es um Bewegungsformen geht, die unserer Psyche guttun, haben die meisten von uns sofort Yoga im Kopf. Und die jahrtausendealte Praxis kann auf jeden Fall helfen, unseren Geist zu beruhigen und uns ein Stück innere Ruhe zu schenken. Ein internationales Forschungsteam konnte nun allerdings zeigen, dass eine ganz andere Sportart uns vielleicht ebenso gut beruhigen kann.
Die Wissenschaftler:innen um Thalles Guilarducci Costa von der Bundesuniversität von Goiás (UFG) in Brasilien konnten im Rahmen einer Studie herausfinden, dass Menschen, die regelmäßig Ausdauertraining machen, in belastenden Situationen eher ruhig bleiben als Menschen, die sich weniger bewegen. Für die Forschungsarbeit rekrutierten die Forschenden 40 gesunde Personen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren.
Die Teilnehmenden beantworteten zunächst Fragen zu ihren Bewegungsgewohnheiten und dazu, wie gesund ihr Herz, ihre Lunge und ihre Muskeln zusammenarbeiten. Anhand ihres Fitnessniveaus teilten die Forschenden die Personen in zwei Gruppen ein: Personen mit überdurchschnittlicher und solche mit unterdurchschnittlicher Fitness.
Daraufhin absolvierten die Personen an unterschiedlichen Tagen zwei Sitzungen. Während dieser Sitzungen wurden ihnen 30 Minuten lang insgesamt 69 unangenehme oder neutrale Bilder gezeigt. Vor und nach dem Betrachten der Bilder beantworteten sie Fragen zu ihrem Ärger- und ihrem Angstniveau.
Beide Gruppen berichteten, dass sie sich nach dem Betrachten der Bilder gestresster fühlten. Die Gruppe mit überdurchschnittlicher Fitness wies jedoch von Anfang an weniger Ärger und Ängstlichkeit auf und blieb auch nach den belastenden Bildern ruhiger. In der Gruppe mit unterdurchschnittlicher Fitness war das Risiko, dass das Angstniveau von mittel auf hoch anstieg, ganze 775 Prozent höher. Die Personen dieser Gruppe wurden zudem schneller wütend und blieben länger aufgewühlt als diejenigen, die häufiger trainierten.
Ausdauertraining macht offenbar resilienter
Letztlich kamen die Forschenden zu dem Schluss, dass «kardiorespiratorische Fitness mit einer geringeren allgemeinen Ängstlichkeit und einer höheren Widerstandsfähigkeit in emotional belastenden Situationen verbunden ist», also dass Menschen, die eine gute Ausdauer haben, weniger zu Ängsten neigen und resilienter sind.
Das heißt natürlich nicht, dass jeder Mensch auf Marathonniveau laufen muss, um psychisch und emotional stabil zu sein. Aber wer vielleicht sonst den Fokus eher auf Krafttraining oder sanftere Sportarten wie Pilates oder Yoga legt, könnte womöglich davon profitieren, hin und wieder eine Ausdauereinheit einzulegen. Das kann Joggen sein, Radfahren, Schwimmen oder auch einfach schnelles Gehen – Hauptsache, unser Herz-Kreislauf-System wird dabei aktiviert und gestärkt.
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