«Ich hasse Smalltalk» – diesen Satz hört man immer wieder. Schade, denn der unverbindliche Plausch hat völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf, wie uns eine Expertin erklärt hat. Und mit den richtigen Strategien gelingt er selbst Schüchternen und Introvertierten nicht nur leichter, sondern kann sogar Spaß machen.
Oberflächlich, sinnlos, überflüssig – Vorurteile über Smalltalk sind weit verbreitet. «Wir unterschätzen Smalltalk, dabei ist er nicht das Gegenteil von guten Gesprächen, sondern oft der Anfang davon», sagt Smalltalk-Expertin Sarah Köhlen, die als introvertierte und gleichzeitig hochsensible Person früher selbst große Schwierigkeiten mit Smalltalk hatte und heute anderen beibringt, wie er gelingt. «Er erfüllt zudem eine wichtige soziale Funktion, schafft den ersten Kontakt und prüft dann ganz vorsichtig, ob wir überhaupt miteinander in Beziehung treten möchten.»
Egal wen wir kennengelernt haben, ob die beste Freundin, den Liebespartner oder Kolleg:innen im Job – Smalltalk stand jedes Mal am Anfang. Und selbst wenn es bei einem kurzfristigen Kontakt bleibt und wir uns danach nie wiedersehen, lohnt sich Smalltalk, wie verschiedene Untersuchungen zeigen: Die kleinen Plaudereien machen uns glücklicher und steigern das Gefühl, mit unseren Mitmenschen verbunden zu sein.
«Wie war dein Wochenende?» oder übers Wetter reden – das ist doch total langweilig!
Eben nicht. Eine in diesem Sommer im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlichte Studie zeigte nämlich: Wenn man Menschen vorab Gespräche über typische Smalltalk-Themen wie das Wetter einschätzen lässt, beurteilen sie diese als langweilig und uninteressant. Aber wenn sie sie dann tatsächlich führen, haben sie unerwartet viel Freude daran.
«Man sollte außerdem bedenken, dass ein Gespräch mit einem vermeintlich oberflächlichen Thema beginnen kann, ohne oberflächlich zu bleiben», so Sarah Köhlen. «Die Frage ‚Wie war dein Wochenende?‘ klingt erstmal banal, aber wenn ich auf die Antwort eingehe und nachfrage, was daran besonders gut gefallen hat oder ob man bestimmte Aktivitäten öfter, dann sind wir bei Erlebnissen, Interessen und persönlichen Geschichten.» Die Expertin nennt Smalltalk darum nicht oberflächlich, sondern niedrigschwellig: ein einfacher Einstieg, um tiefer zu schürfen.
Wie schaffe ist es, möglichst witzig oder originell rüberzukommen?
Das ist die falsche Frage, denn beim Smalltalk geht es nicht darum, andere zu beeindrucken oder ihnen ein bestimmtes Bild von sich zu vermitteln, sondern um Offenheit und Interesse. «Das Wichtigste für guten Smalltalk ist die Haltung. Viele überlegen ständig, wie sie wirken und was sie als nächstes Geistreiches sagen können, und hören dann automatisch gar nicht richtig zu. Stattdessen sollte man sich fragen: Wer ist diese Person vor mir?«, sagt Sarah Köhlen.
Die Aufmerksamkeit hin zum anderen zu lenken, sei auch der wichtigste Tipp für Menschen, denen Smalltalk schwerfällt, etwa weil sie introvertiert sind. «Viele sind der Meinung, oft auch durch Erfahrungen in der Kindheit, sie seien nicht interessant genug, sie denken viel nach und beobachten sich ständig selbst. Den anderen in den Fokus zu nehmen, seine Mimik, seine Gestik und das, was er erzählt, ist dann eine große Entlastung. Außerdem nimmt man dann viel mehr wahr und hat Futter, die Situation zu gestalten und nachzufragen, und anschließend auch etwas Persönliches von sich preiszugeben, auf das der andere dann wieder eingehen kann. So entsteht ein natürlicher Kreislauf. Etwas Persönliches muss dabei nichts Intimes sein.»
Was ist der perfekte erste Satz?
Den gibt nicht. Expertin Köhlen rät zwar zur Vorbereitung: «Worüber rede ich gern und worüber nicht, damit kann ich mich schon vorher auseinandersetzen und aufschreiben und strukturieren, was interessante Geschichten sein könnten.» Aber die Expertin weiß auch: «Den perfekten Gesprächseinstieg gibt es gut wie nie. Er ist viel weniger wichtig als echtes Interesse. Es geht nicht darum, andere mit dem zu beeindrucken, was man sagt. Denn letztendlich ist nichts beeindruckender als das Gefühl, jemand interessiert sich für mich. Das ist das, was hängen bleiben wird.»
Und wie komme ich da wieder raus?
Smalltalk heißt auch deswegen Smalltalk, weil er eben nicht ewig dauert. «Irgendwann ist in jedem Gespräch der Punkt erreicht, ab dem es nicht mehr besser, sondern eigentlich nur noch schlechter werden kann. Smalltalk sollte man möglichst auf einem Hoch beenden und nicht wenn er schon langsam versandet», sagt Sarah Köhlen.
Aber viele, oft vor allem mal wieder die Introvertierten oder Schüchternen, haben Probleme, den Absprung zu finden. „Manche bekommen regelrecht Schweißausbrüche, weil sie sich nicht trauen, das Gespräch zu beenden“, so die Expertin. Bei Hochsensiblen kommt außerdem das Problem dazu, dass sie schnell überladen sind von Reizen und Informationen – und sich auch deshalb zurückziehen müssen.
«Es kommt natürlich immer auf den Kontext an. Aber ein guter Tipp zum Beispiel für Netzwerk-Events im Job ist es, das Letztgesagte noch einmal aufzugreifen oder das, was man Interessantes über sein Gegenüber erfahren hat, zu spiegeln, und dann entschlossen auszusteigen: ‚Das war spannend für mich, da habe ich etwas dazu gelernt. Ich würde mich freuen, wenn wir das Gespräch bei anderer Gelegenheit weiterführen, aber nun muss ich weiter zu Termin xy.'»
Quelle: .



