Wer nicht schlafen kann, versucht häufig krampfhaft und mit immer wieder neuen Techniken, das Gehirn zum Einschlummern zu zwingen. Wie die Technik des «Self Gaslighting» genau das mit dem gegenteiligen Ansatz schaffen möchte.
Die meisten von uns haben hin und wieder Einschlafprobleme. Uns beschäftigt womöglich etwas, das wir an dem Tag erlebt haben, oder ein Gespräch, das wir geführt haben. Und wenn die Gedanken einmal anfangen zu kreisen, fühlt es sich oft schier unmöglich an, das Karussell zu stoppen.
Das Problem: Wenn wir krampfhaft versuchen einzuschlafen, rückt dieses Ziel oft umso weiter in die Ferne. «Je mehr man versucht, den Schlaf zu erzwingen, desto ängstlicher wird man, und desto schwieriger wird es, ihn zu erreichen», erklärt dazu Dr. Aric Prather, Schlafwissenschaftler an der University of California in San Francisco, gegenüber «Oprah Daily».
Wie «Self Gaslighting» bei Schlafproblemen helfen soll
Genau dabei soll uns eine Methode helfen, die sich «paradoxe Intention» nennt – oder «Self Gaslighting». Dabei behandeln wir unser Gehirn praktisch wie ein störrisches Kind: Wir bitten es, etwas zu tun – und gehen davon aus, dass es genau das Gegenteil machen wird.
In unserem Fall versuchen wir bewusst, wach zu bleiben, und hoffen, dass unser Gehirn genau das nicht tut – und stattdessen einschläft. Wir liegen mit offenen Augen im Bett und tun einfach gar nichts. Wir versuchen uns auch nicht abzulenken. Und indem wir so die Aufmerksamkeit vom Schlaf weglenken, können wir unser Gehirn beruhigen und letztlich zur Ruhe kommen.
«Eine der größten Ängste bei Schlaflosigkeit ist, die ganze Nacht wach zu liegen, und die paradoxe Intention stellt sich dieser Angst direkt», macht dazu Dr. Colleen Carney bei «Oprah Daily» deutlich, Professorin und Leiterin des «Sleep and Depression Laboratory» an der kanadischen Toronto Metropolitan University.
Die Bedrohung durch das Schlafproblem verringern
Wenn wir aktiv versuchen, wach zu bleiben, stellen wir uns nicht mehr auf das ein, was wir fürchten, nämlich die Schlaflosigkeit. So verringern wir die Bedrohung durch das Schlafproblem. Sobald die Bedrohung gemindert ist, kann sich dein Gehirn entspannen – und lässt uns hoffentlich schlafen.
Dr. Carney betont übrigens, dass diese Form des «Self Gaslightings» am besten bei Menschen mit klassischen Einschlafproblemen funktioniert, aber weniger bei Personen, die nachts aufwachen und dann Schwierigkeiten haben, wieder zur Ruhe zu kommen. Die paradoxe Intention ist außerdem besonders hilfreich, wenn Schlafprobleme teilweise durch Ängste verursacht werden, erklärt Aric Prather – nicht nur die Schwierigkeiten beim Schlafen, sondern auch Stress und Sorgen darüber.
Entwickelt hat die Technik der paradoxen Intention übrigens der österreichische Psychiater und Neurologe Viktor Frankler. Der US-amerikanische Psychologe L. Michael Ascher hat sie speziell für Schlaflosigkeit angepasst. Die Wirksamkeit der Methode ist wissenschaftlich belegt.
Wenn du also das nächste Mal schon vor dem Zubettgehen Sorge hast, nicht einschlafen zu können, versuche es doch mal damit, dich selbst zu «gaslighten». Sage dir einfach, dass du gar nicht schlafen möchtest, sondern jetzt einfach nur im Bett liegst. Und vielleicht hilft dir genau dieser Shift, endlich zur Ruhe zu kommen.
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